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Glaubwürdigkeit hat Priorität |
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In der aktuellen Ausgabe der DIREKT MARKETING (Juli 2008) gibt Katja Wittig ein Interview zum Thema "Umweltfreundlichkeit als Chance für Unternehmen".
Am Lehrstuhl für Marketing der Technischen Universität Dresden
erforscht Katja Wittig die Einstellung der Verbraucher hinsichtlich
Ökobotschaften und -produkten – und die Ursachen dafür. DIREKT
MARKETING hat die Wissenschaftlerin zu aktuellen Erkenntnissen befragt.
Frau Wittig, haben Unternehmer, die klimabewusst agieren, tatsächlich Vorteile in der Wahrnehmung?
Das
Stichwort heißt Imagewert. Das Thema Umweltbewusstsein hat bei den
Menschen heute einen ganz anderen Stellenwert als früher. Denn während
es vor Jahren noch die „Ökos“ waren, die sich mit der Nachhaltigkeit
von Produktionen beschäftigten, ist das Ganze heute für alle
Bevölkerungsgruppen relevant. Der Grund liegt darin, dass das Thema
durch aktuelle Geschehnisse und Berichterstattung einfach viel
drängender geworden ist – also in der Wahrnehmung nach oben gerutscht
ist. Entsprechende Imageförderung kann es für ein Unternehmen bedeuten,
sich dieses Themas offensiv anzunehmen.
Warum verhalten sich Menschen denn eigentlich umweltbewusst?
Aus
verschiedenen Gründen: In meinen Forschungen unterscheide ich zum einen
die Egozentriker, das sind jene, die aus eigenem Nutzen umweltbewusst
kaufen und agieren – also, weil sie für sich einen direkt verwertbaren
Sinn im Umweltschutz sehen. Das kann das Bedürfnis nach klarer Luft
beim Spazierengehen sein – oder der Wunsch, „im Grünen“ zu leben.
Darüber hinaus gibt es den Ökozentriker, der die Natur um ihrer selbst
willen schützen möchte. Schließlich kristallisiert sich noch eine
dritte Erscheinungsweise heraus, der Anthropozentriker, dem es vor
allem um eine lebenswerte Umwelt für sich selbst und die Mitmenschen
geht – der also beispielsweise seiner Familie etwas Gutes tun möchte,
oder sogar die gesamte Gesellschaft im Blick hat.
Sind denn alle „Öko-Typen“ gleichermaßen verteilt?
Wir
haben kulturelle Unterschiede in verschiedenen Nationen festgestellt:
Während beispielsweise in individualistischen Gesellschaften wie
Deutschland oder den USA eher Ego- und Ökozentriker verbreitet sind,
trifft man in kollektivistischen Gesellschaften wie Russland eher den
anthropozentrischen Umweltbewussten an.
Was bedeuten diese Erkenntnisse für Unternehmen, die mit dem Thema Umweltbewusstsein imagemäßig punkten wollen?
Die
Unternehmen sind aufgefordert, die unterschiedlichen Orientierungen zu
adressieren, um optimale Wirkung zu erreichen. Wenn also einem
Egozentriker vermittelt wird, dass mit einer bestimmten Marke sein
individuelles Umwelt-Wohlfühlkonto nach oben geht, erreicht diese
Botschaft eher weniger den Ökozentriker. Was aber über allem stehen
muss, ist die Glaubwürdigkeit: Lippenbekenntnisse reichen schon längst
nicht mehr aus. Die Verbraucher sind durchaus bereit, für umweltbewusst
produzierte Produkte und Leistungen tiefer in die Tasche zu greifen –
aber der Umwelt-Nutzen muss nachweisbar sein.
Worauf achten die Konsumenten im Alltag denn nun konkret in punkto Umweltschutz?
Natürlich
sind Gütesiegel wichtige Info-Signale. Allerdings beobachten wir, dass
die Vielzahl an Siegeln und Zertifikaten eher verwirren als
unterstützen. Es ist also zu vermuten, dass es sinnvoller für die
Unternehmen ist, auf etablierte Siegel zu setzen, als eigene zu
erfinden.
(direktmarketing, 07/08 Juli, S. 14, 44. Jg.) |