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Preispolitik des Handels: Milch vs. Mineralwasser PDF Drucken E-Mail
SZ (11.03.2005): Während die Verbraucher beim Wasser stärker darauf achten, ob es sich um eine Marke aus der Region handelt, sind Milch-Marken vergleichsweise rar.  Entsprechend fällt die Preisbereitschaft der Konsumenten aus.

Des Bauern Leid: Milch ist manchmal billiger als Mineralwasser. Die SZ verrät die Ursachen.

Keine Milchmädchenrechnung: Etwa 29 Cent bekommen Bauern für jeden Liter Milch, den sie an die sieben Molkereien in Sachsen liefern. Etwa 30 Cent aber kostet die Herstellung: Lohn, Futter, Kredite für die renovierten Ställe - so rechnet es Manfred Uhlemann vor, Milchreferent im Landesbauernverband. "Die allermeisten machen Verluste mit der Milch", sagt Uhlemann. Gestern beriet er mit Kollegen aus anderen Ländern in Berlin über die Krise.

Sauer wegen der Milch: Wenn die Bauern im Supermarkt ihr Produkt für 45 Cent pro Liter wiedersehen, sind sie doppelt verärgert. Mineralwasser sei teurer, klagen sie in Resolutionen. Tatsächlich: Da präsentiert sich Apollinaris, "The Queen of Table Waters", für 60 Cent pro Liter. Lauchstädter Heilbrunnen, "seit 1710", ist mit 53 Cent dabei. Ostsächsische Produkte wie Margon und Oppacher liegen im Preis teils über, teils unter der Milch.

An den Produktionskosten kann es nicht liegen, klagen sächsische Bauern - und verweisen auf ihren Aufwand mit der Tierpflege und auf die teuren Maschinen zum Pasteurisieren in der Molkerei.

Wert des Markenprodukts
Zwar betonen die Wasser-Lieferanten, dass auch sie investieren: zum Beispiel jüngst in Abfüll-Anlagen für leichte Plasteflaschen, sagt Andrea Lottmann, Sprecherin des Margon-Mutterkonzerns Brau und Brunnen. Doch das Unternehmen engagiere sich zudem stark im Marketing - ausschließlich Marken-Produkte gehörten zum Konzern.

Solche Marken sind Geld wert, erläutert Professor Stefan Müller, der an der Technischen Universität Dresden den Lehrstuhl für Marketing innehat. "Beim Wasser achten die Käufer stärker darauf, ob es zum Beispiel aus ihrer Region kommt", sagt Müller. Wer sein Mineralwasser mit einem guten Ruf ausstattet, macht den Konsumenten glauben, dass es besser schmeckt. Die Hersteller geben den Händlern Preislisten vor, über die nur noch wenig verhandelt werden kann - von etwas Rabatt nur bei größeren Mengen berichtet Helmut Türk, Niederlassungsleiter der Dreha Dresdner Handelsgesellschaft für Nahrungsmittel und Getränke.

Lockpreis vom Händler
Bei Milch sind Marken dagegen rar - auch wenn Müller-Milch mit seinen Produkten Sachsenmilch und Weihenstephan etwas höhere Preise durchsetzen kann. In der Regel aber gilt Milch dem Kunden als austauschbar - und das nutzen die großen Händler, weiß der Dresdner Marketing-Experte. In der Supermarkt-Werbung ist Milch eines der "Schlüsselprodukte", wie Schokolade, sagt Professor Müller. Der Kunde kennt den ungefähren Preis und lässt sich mit Schnäppchen locken. Dafür zahlt er mehr für anderes, bei dem er sich nicht so gut auskennt.

Der Bundesfachverband des Deutschen Getränkegroßhandels klagt allerdings kräftig über Billig-Anbieter, die mit 19 Cent pro Liter auch den Mineralwasser-Markt aufmischen. "Die Durchschnittspreise sind gesunken", sagt Verbandsvorstand Günther Guder.

Milchseen in Europa
Der dritte Nachteil der Milch im Wettbewerb mit Wasser liegt darin, dass zu viel Milch produziert wird. Die EU kauft zwar überschüssige Mengen an Butter und Milchpulver und stützt so die Preise - doch in den kommenden Jahren wird sie immer weniger zahlen. Milch-Experte Uhlemann erwartet deshalb, dass mancher Bauer die Produktion aufgibt: "Man muss den Mais ja nicht durch den Kuhmagen schieben, sondern kann ihn auch in der Biogas-Anlage verheizen." Zwar könnten dann andere Bauern die frei werdenden Rechte zur Milchproduktion kaufen. Doch schon für die nächste Auktion solcher sächsischen Milchquoten im April erwartet Uhlemann sinkendes Interesse.

http://www.sz-online.de/nachrichten/base.asp?ausgabe=104&etag=11.03.2005


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